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Artikel: Ana Chaveros: „Man muss verstehen, dass das Werk eine Sekunde in der Erzählung der Künstlerin ist“

Ana Chaveros — abstract painting with more empty space than paint
Ana Chaveros

Ana Chaveros: „Man muss verstehen, dass das Werk eine Sekunde in der Erzählung der Künstlerin ist“

„Man muss verstehen, dass das Werk eine Sekunde in der Erzählung der Künstlerin ist“

Ana Chaveros

Wer ist Ana Chaveros

Als Kind erfand sie mit Begeisterung Welten. Das Architekturstudium gab ihr die Gelegenheit, ein Gespür für den Raum zu entwickeln. Sie interessiert sich für Pollocks Dripping und für die Farbemotion bei Rothko.

Sie schätzt den persönlichen Raum, und alle ihre Beziehungen beruhen auf diesem geteilten Respekt. Die Malerei hat ihr erlaubt, sich in völliger Freiheit auszudrücken. Ihr Werk ist gestischer Ausdruck — Action Painting —, auch wenn jede Leerstelle darin gewollt ist.

Was ihr Freude macht: eine brennende Kerze, ein schön gedeckter Tisch, nach Hause kommen und alles aufgeräumt vorfinden. Sie stammt aus einer Familie starker Frauen, die sie Tag für Tag inspirieren und leiten.

Ana Chaveros mit Schmuck von Iskin Sisters und der Verpackung mit einem Kunstdruck ihres Werks
Ana Chaveros mit Stücken von Iskin Sisters und der Verpackung mit einem Kunstdruck ihres Werks.

Das Interview

Was hast du als Mädchen gern gemacht?

Ich hatte immer ein reiches Innenleben. Es gibt eine Familienanekdote: Bevor die Harry-Potter-Bücher in Argentinien erschienen, brachte meine Großmutter sie aus den USA mit. Ich habe sie verschlungen; ich konnte diese Welt nicht verlassen. Ich habe mehr Freude daran gehabt, mir diese Räume vorzustellen. Später, als Erwachsene, formt man seinen Charakter — und man muss sich auch unter Menschen bewegen.

Was dachtest du, was du einmal werden würdest?

Ich habe mich nie als bildende Künstlerin gesehen; ich hielt das nicht für einen Beruf. Als ich wählen musste, habe ich Architektur studiert, das ließ mich mit dem Raum arbeiten.

Warum malst du?

Ich hatte eine große persönliche Krise. Meine Identität war vollkommen ausgelöscht — nichts um mich herum hatte noch mit dem zu tun, was ich wirklich mochte. Ich fing an, Dinge auszuprobieren: Tanz, Keramik, Malerei. Es ergab sich nach und nach. Ich sah es nicht als berufliches Projekt, aber ich hatte immer die Unterstützung meiner Familie — auch wenn es in der Kunst niemanden gibt, der einem sagt, dass man es richtig macht. Man weiß nie, wann der Moment da ist. Die Laufbahn kam von selbst, und das Arbeiten ist etwas sehr Intimes. Ich spüre, dass das Werk eine Verbindung zu mir hat.

Welche Künstlerinnen und Künstler inspirieren dich?

Ich bin ziemlich eklektisch. In New York gibt es viele Expressionisten, die ich bewundere. Pollocks Prozess und sein Umgang mit dem Dripping interessieren mich sehr, weil man dafür durchhalten muss. Ich schätze auch Rothkos Werk — ich denke darüber nach, wie sehr eine Leinwand aus Farbe bewegen kann. Matisse ist ein großer Kolorist. Francis Bacons Werk hat enorme Kraft und ist schonungslos. Das Bild ist sehr subtil, aber er malt den Schmerz, die verkrampften Muskeln… Ich finde es erhaben, dass er ein schönes Werk schaffen konnte, das ans Makabre grenzt.

Ana Chaveros mit Schmuck von Iskin Sisters, fotografiert für die Marke Ana Chaveros — das für den Kunstdruck von Iskin Sisters gewählte Werk Ana Chaveros mit Schmuck von Iskin Sisters, fotografiert für die Marke
Aus dem Fotoshooting von Iskin Sisters mit den Künstlerinnen, und das für den Kunstdruck gewählte Werk.

Welche Eigenschaften kennzeichnen dich?

Um zu funktionieren, brauche ich Raum. Das ist mir lieber, als dass du versuchst, mir zu helfen, denn dann fühle ich mich sehr bedrängt. Alle meine Beziehungen beruhen darauf. Die Mutterschaft hat mich allerdings auf die Probe gestellt — ich gebe ständig Raum ab. Aber meine Ausbeute ist heute besser als früher. Wenn ich fünf Minuten habe, nutze ich sie. Die Energie wird anders verwaltet.

Und bei anderen — welche Eigenschaften magst du, welche nicht?

Ich schätze Menschen, die den Raum der anderen respektieren. Ich mag keine Aufdringlichen und keine, die eine absolute Wahrheit besitzen.

Erzähl mir von deinem Werk.

Es ist eine Einladung in eine Mikrowelt, in der das erste Bild gestischen Ausdruck nahelegen mag, Action Painting — aber jede Bewegung und jede Leerstelle ist gewollt. Mein Werk lädt dazu ein, ein wenig über dieses Bild hinauszusehen, und wenn es Lärm macht, dann ruft es sicher dazu auf, hinzuhören.

Man muss verstehen, dass das Werk eine Sekunde in der Erzählung der Künstlerin ist. Die Kunst hat das an sich, dass man nie zu Ende entdeckt, dass sie nichts sagt. Die Künstlerin macht es für sich selbst, nicht für die, die es ansehen wird. Es geht also darum, sich davorzustellen und sich fühlen zu lassen. Dem eine Chance zu geben, was einen beunruhigt. In diesem Moment der Geschichte sind wir bei der Abstraktion und der Einfachheit. Was geschätzt wird und die Künstlerin bereichert, ist der Prozess hinter einem bestimmten Grad an Abstraktion.

Kleine Freuden?

Ich mache einen solchen Kult um den persönlichen Raum, dass ein schön gedeckter Tisch, eine brennende Kerze oder ein aufgeräumtes Zuhause bei der Rückkehr für mich schon ein Genuss ist, der mir guttut.

Was, glaubst du, wird von dir bleiben?

Als ich meine Tochter bekam, fragte ich mich, ob ich die Malerei eine Zeit lang unterbrechen sollte. Was mich davon abhielt, war, dass das Bild, das sie von mir haben soll, das einer Frau ist, die getan hat, was sie liebte. Man muss sich trauen. Manchmal bauen wir uns Mauern — und obwohl mir zu Hause nie jemand etwas verboten hat, zensieren wir unsere Träume ungewollt selbst. Mehr als etwas zu hinterlassen oder dass das Werk überdauert, geht es mir darum, dass meine Tochter weiß, dass sie tun kann, was sie will, und alles hineinlegen darf.

Wie sieht dein kreativer Prozess aus?

Ich beginne beim Fleck, beim Chaos, und von dort aus sehe ich, wie ich es ordne. Es ist ziemlich langsam, weil meine Leinwände mehr Leere als Farbe haben. Ich arbeite an mehreren Arbeiten gleichzeitig. Alles auf eine Karte zu setzen ist meiner Meinung nach zu viel Druck und nimmt die Frische. Früher war mein Werk subtiler, aber je mehr ich mir erlaube, Lärm zu machen — die Komposition natürlich im Blick —, desto stärkere Formen und mehr Gewicht brauche ich. Auch wenn ich nicht weiß, was ich in fünf Jahren brauchen werde. Ich wechsle die Materialien, probiere Neues…

Wo würdest du gern leben?

Ich war mein Leben lang ziemlich nomadisch, aber hier fühle ich mich sicher. Es ist das erste Mal, dass ich nicht davon träume, wegzugehen. Vielleicht würde ich es tun, um eine Ausstellung vorzubereiten, aber nur für ein paar Monate.

Welche gesellschaftlichen Themen beschäftigen dich?

Wenn ich etwas Konkretes nennen soll: Als bei mir Thrombophilie diagnostiziert wurde, übernahmen die Krankenkassen die Behandlung nicht. Ich konnte sie bezahlen — aber wie viele Frauen können das nicht? Die Mutterschaft steht auf dem Spiel, und das sind Themen, die auf den Tisch gehören und diskutiert werden müssen. Und doch spricht manchmal niemand darüber, weil sie klein sind oder wenige betreffen.

Woran erkennst du, dass ein Werk fertig ist?

Für mich ist es immer unvollendet. Aber es hilft mir zu wissen, dass ich die zusätzliche Idee später für eine andere Leinwand nutzen kann. Wir sind ständig in der Trägheit, noch eine Möglichkeit zu sehen. Also stelle ich mich auf die Probe und breche ab.

Welche Frauen inspirieren dich?

Ich komme aus einer Familie starker Frauen. Ich glaube, sie waren immer eine Inspiration und ein Wegweiser. Auch meine Schwester. Als Kind war ich sehr ängstlich — wenn da eine Pfütze war, ging ich außen herum, statt hindurchzugehen. Sie ist fünf Jahre jünger und ging einfach hindurch und zeigte mir, dass nichts passiert. Sie ist am Ende mein Vorbild geworden.

Wenn du dich nicht dafür entschieden hättest, was hättest du gemacht?

Ich habe Architektur studiert. Ich habe immer noch eine Schwäche für Räume; ich arbeite damit und wende es auf alles an. Aber die Malerei hat mir diesen intimen Moment gegeben, zu tun, was ich will. Danach kann man das Werk ansehen oder kaufen. Aber der Prozess des Machens war völlig frei. Ich nehme an, hätte ich das nicht getan, hätte ich meinen Frieden mit der Architektur gemacht.

Wenn du den Film deines Lebens sehen könntest, was möchtest du darin finden?

Heute kann ich mir mein Leben ohne Pinsel nicht vorstellen. Mir wird ein wenig schwindelig bei dem Gedanken, dass ich es vielleicht nie gefunden hätte, wäre ich nicht durch schwere Zeiten gegangen. Wenn mir jemand ein Werk in Auftrag gibt, denke ich sogar darüber nach, was diese Person sich ins Haus gehängt hätte, wenn ich nicht alles erlebt hätte, was mir passiert ist.

Woran arbeitest du gerade?

An Malerei, aber ich habe die Zeichnung hinzugenommen. Ich setze meinen abstrakten Prozess im großen Format fort. Kleines Papier bringt mich jedoch dazu, andere Dinge zu lösen. Ich schaue, was daraus entsteht — aus dem Wechsel zwischen dem ausdrucksstarken Fleck und der Genauigkeit der Feder. Ich habe nie eine genaue Vorstellung davon, was ich machen werde. Ich spüre, dass die Hände ein Gedächtnis haben, und was ich mache, wiederholt die Hand in einem anderen Maßstab.

Ana Chaveros — abstrakte Malerei mit mehr Leere als Farbe Ana Chaveros mit Schmuck von Iskin Sisters, fotografiert für die Marke
Aus dem Fotoshooting von Iskin Sisters mit den Künstlerinnen.

Ana im Film


Ana Chaveros ist Teil von United by Art, dem Programm, mit dem Iskin Sisters zeitgenössische Künstlerinnen einlädt, die Kunstdrucke zu schaffen, die jedem Stück in der Verpackung beiliegen.

Mehr über ihre Arbeit: @ana_chaveros

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