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Artikel: María José Antelo: „Manchmal habe ich das Gefühl, die Arbeit nimmt Stücke meines Körpers mit“

María José Antelo — work in her studio

María José Antelo: „Manchmal habe ich das Gefühl, die Arbeit nimmt Stücke meines Körpers mit“

„Manchmal habe ich das Gefühl, die Arbeit nimmt Stücke meines Körpers mit“

Bevor sie antwortet, hält María einige Sekunden inne. Sie ist eine nachdenkliche Frau, die das Konventionelle meidet und die Stille nicht scheut. Aus ihren Jahren als Anwältin hat sie die Beharrlichkeit behalten, aus ihrer Beschäftigung mit der Astrologie das Interesse am Menschlichen. Diese ganze Mischung fließt in ihre Arbeit ein – immer handgemacht, immer in Bewegung zwischen dem Weichen und dem Harten, je nach den Materialien, die sie ihrer Stimmung entsprechend wählt.

Wer ist María José Antelo

Als Kind verbrachte sie lange Zeiten auf dem Land, wo sie Skulpturen aus Ton formte und Sport trieb. Sie sagt, die Menschen vertrauen sich ihr an – „vielleicht, weil mich die Fehler anderer nicht schockieren“.

Sie möchte für ihren Humor in Erinnerung bleiben. Piazzolla ist ihr Idol, und sie hat Virginia Woolf und die Schwestern Ocampo mit Freude gelesen.

Fern von den Menschen zu sein, die sie liebt, wäre für sie äußerst schwer. In letzter Zeit hat sie die Performances von Marina Abramović verfolgt.

Das Wasser, sagt sie, war eine große Lehrmeisterin: Es passt sich an und kann doch auch zerstören. Sie verabscheut Kälte und schätzt Aufrichtigkeit an Menschen.

Sie wartet nicht darauf, dass die Inspiration kommt – sie arbeitet jeden Tag, weil sie es mag, Dinge zu vollenden. Sie arbeitet mit Draht, Faden und Wasser, und da sie keine Handschuhe tragen mag, wird das Machen zu einer körperlichen Angelegenheit. Die Arbeit, sagt sie, nimmt Stücke ihres Körpers mit. Manchmal betrachtet sie ein fertiges Werk und denkt: „Da drin ist mein halber Rücken geblieben.“

María José Antelo mit ihrem Kunstdruck, einem der Drucke, die jedem Halsketten-Pack von Iskin Sisters beiliegen
María José Antelo mit ihrem Kunstdruck in der Verpackung von Iskin Sisters.

Das Interview

Wie haben Jura und Astrologie deine Arbeit geprägt?

Ich glaube, alles ist miteinander verschmolzen – nicht bewusst, aber ein Teil von mir steckt sicher darin. Ich habe achtzehn Jahre lang aktiv als Anwältin gearbeitet; darin lag viel familiärer Auftrag. Auf der Seite meines Vaters sind alle Juristen, und daneben gibt es eine ganze künstlerische Seite: Meine Großmutter spielte Klavier, mein Vater war eng mit Piazzolla befreundet. Mein Elternhaus war eine Mischung aus beidem – viel humanistische Debatte und Künstlerinnen und Künstler, die ein und aus gingen. Der Kanzlei ging es sehr gut, aber mit vierzig hatte ich eine große Krise, weil mir das, was ich tat, keine Freude mehr machte. Also ließ ich alles hinter mir. Nicht von heute auf morgen; es war gut überlegt.

Was geschah danach?

Da begann ich, Astrologie zu studieren, denn mich interessiert alles, was mit dem Menschlichen zu tun hat. Ein Astrologe, mit dem ich sprach, sagte über mein Geburtshoroskop: „Du musst auf der Sensibilität aufbauen.“ Ich habe es damals registriert, aber nicht wirklich verstanden. Dann zogen wir mit meiner Familie in die Vereinigten Staaten, und dort stürzte ich mich in die Kunst, in die Druckgrafik. Diese Welt hat mich verrückt gemacht. Ich nehme an, das Juristische ist in meiner großen Arbeitskraft präsent – ich mag es sehr, Dinge zu vollenden, ich warte nicht darauf, dass die Inspiration kommt, ich lege sofort los.

Wie sieht dein Tag aus?

Ich arbeite fast jeden Tag im Atelier; ich stehe viele Stunden auf den Beinen und stecke Energie hinein. Es gibt auch Momente, in denen mir Ideen kommen und ich sie aufschreibe, aber ich glaube, sie tauchen gerade deshalb auf, weil ich so viel Zeit mit Arbeiten verbringe.

Was kommt in deinem Prozess zuerst: das Format oder die Form?

Ich denke nicht darüber nach, aber vielleicht neige ich zum Weichen oder zum Rauen. Die Skulpturen, die ich mache, sind meist aus Draht und Faden, und das verletzt meine Hände ziemlich, weil ich keine Handschuhe benutze – ich mag sie nicht. Manchmal wird es also körperlich: ob mir danach ist, Dinge mit Kraft zu machen, den Körper in den Dienst dieser Art von Arbeit zu stellen. Andere Male arbeite ich mit handgeschöpftem Papier, ich stelle den Papierbrei selbst her, und das ist alles Wasser – und das sind eigentlich die Gefühle. Das ist die sensiblere, weichere Arbeit. Die Frage ist, ob ich bereit bin, etwas Hartes anzugehen, mit Materialien zu kämpfen, die sich widersetzen, mir die Finger zu verletzen – oder ob mir eher nach etwas Sanfterem ist.

Wie stellst du deinen Körper in den Dienst der Arbeit?

Manchmal habe ich das Gefühl, die Stücke nehmen Teile meines Körpers mit, über die Botschaft oder das Emotionale hinaus. Wenn ich zum Beispiel mit Faden arbeite, nimmt er Nägel, Haut, Blut mit. Die Druckfarben bleiben tagelang an meinen Händen. Manchmal sehe ich ein Werk an und denke: „Da steckt ein halber Rücken drin“ – weil ich schwere Wassereimer geschleppt habe. Alle denken immer an die spirituelle Seite der Arbeit, aber in meinem Fall kann ich nicht anders, als das Körperliche zu sehen, den Körper.

María José Antelo — Skulptur aus Draht und Faden María José Antelo — Skulptur aus Draht und Faden María José Antelo — Arbeit auf handgeschöpftem Papier

Erzähl mir mehr über etwas, das du einmal gesagt hast: „Meine Arbeit ist eine visuelle Linie meines Unbewussten. Sie kommt zu mir als kryptische Botschaft, die ich zu deuten versuche.“

Das kommt vom Monodruck. Ich arbeite viel mit der Monotypie: Ich schöpfe die Papiere von Hand und decke dann ab und füge Teile hinzu, bringe Farbe auf eine Matrize und arbeite Faden, Draht und Texturen ein. Es ist etwas anderes als Zeichnen, denn wenn ich es durch die Presse laufen lasse, gibt es immer einen Überraschungsfaktor. Fast nichts von dem, was ich mache, ist vollständig kontrollierte Arbeit.

Ich arbeite die Tinte auch mit Wasser. Dort verzerrt sie sich und bewegt sich zufällig, sodass ich nicht genau weiß, wie das Werk am Ende aussehen wird. Für mich ist das sehr reizvoll, und die Gefühle sind dort symbolisch präsent, durch das Wasser.

Glaubst du, es gibt eine Verbindung zwischen der Pandemie und deiner Arbeit?

Ich glaube, seit es das Internet gibt, existiert eine Zwiespältigkeit: zusammen und gleichzeitig allein zu sein. In meiner Arbeit steckt viel Netz, viel geflochtener Draht. Es ist, als würden wir uns immer irgendwo berühren. Was der eine tut, wirkt auf den anderen, und zugleich betrifft uns das, was außerhalb von uns liegt. Das Alleinsein hat sich mit der Pandemie zugespitzt. Es gibt weniger persönlichen Kontakt, weniger Berührung. Das fehlt mir sehr, denn ich umarme gern. Die Frage ist: In welchen Momenten werden sich unsere Wege kreuzen? Denn wir wissen es nicht.

Wie hat sie dich betroffen?

Vielleicht hat sich mein Blick auf das Persönliche verengt, auf eine kleinere Welt: Familie, Freundschaften, Beziehungen. Wie die Falten, die ich ins Papier lege – weißt du? Beziehungen bekommen Falten, weil sie sich entwickeln, und dann muss man ihnen noch eine Drehung geben. Andererseits ist es eine Zeit ohne Zeit, ein Plan ohne Plan, keine Projektion von irgendetwas. Alles, was wir haben, ist das Heute.

Mit welchem Material arbeitest du am meisten?

Das Wasser war für mich eine große Lehrmeisterin, denn obwohl es sich anpasst, hat es zugleich enorme Kraft: Es kann zerstören, es erzeugt Elektrizität, es löst auf, es reißt auseinander. Es gibt alles.

In welchem Land würdest du gern leben?

Ich lebe in Argentinien und würde gern hier leben, ich bin sehr verwurzelt – aber wenn ich wählen müsste, dann ohne Zweifel Spanien.

Welche Musik hörst du?

Ich liebe Musik. Sie ist meine große Begleiterin. Piazzolla ist mein Idol. Ich mag Gitarre, Tango, Folklore und auch argentinischen Rock – Charly García, Cerati.

Liest du gerade etwas?

In letzter Zeit nicht, das kommt in Phasen – aber ich mag Virginia Woolf, Victoria Ocampo, Benedetti, Cabezón Cámara, Samanta Schweblin.

Was steht noch auf deiner Liste?

Ich habe nicht viel Offenes. Irgendwann habe ich, weil ich gern singe, Gesang studiert und ein paar Auftritte in Bars gehabt. Ich habe keine große Stimme, aber es hat mir Freude gemacht. Ich habe immer von der Idee geträumt, und nun ja – ich habe es getan, und damit hatte es sich.

Erzähl mir von deiner Kindheit. Was hast du als Mädchen gespielt?

Ich habe lange Zeiten auf dem Land verbracht und liebte Tiere und kleine Skulpturen aus Ton. Ich habe auch eine jungenhafte Seite – ich bin ziemlich kräftig, ich mag Sport, ich bin Rennen gelaufen, habe in der Schule Leichtathletik gemacht, ich messe mich gern.

Wofür möchtest du in Erinnerung bleiben?

Für meinen Humor – diese häuslichen Momente, in denen wir lachen. Ich habe das Gefühl, das ist etwas, das mich ausmacht.

Neben Wettbewerbsgeist und Humor: Welche Eigenschaft macht dich noch aus?

Ich glaube, ich bin ein offener Mensch, der nicht urteilt, und vielleicht vertrauen sich mir deshalb viele Menschen an – weil mich die Fehler anderer nicht schockieren. Ich glaube, man kann mit einem dunklen Geheimnis zu mir kommen, und ich werde es tragen, denn ich mag Tiefe. Ich bin eher jemand, der bis auf die Knochen geht.

Welche gesellschaftlichen Anliegen sind dir am wichtigsten?

Die Ungleichheit der Chancen. Nicht weil ich denke, dass wir alle gleich sein müssen, sondern weil es keine Möglichkeit gibt, in jeder Hinsicht voranzukommen: Bildung, das Spirituelle. Es geht nicht nur um die Wirtschaft. Politische Korruption ekelt mich an, weil sie Ungerechtigkeit fördert und ganze Leben auf gewisse Weise vergeudet werden – es ist das System, das sie verrohen lässt.

Wovor hast du Angst?

Getrennt von den Menschen zu leben, die ich liebe, oder in ein anderes Land ins Exil gehen zu müssen. Das wäre sehr hart für mich.

Welche Eigenschaften schätzt du an anderen?

Aufrichtigkeit, auch wenn sie schonungslos ist. Ich mag Menschen, die zuhören können.

Und welche magst du nicht?

Kälte bei Menschen, den Mangel an Empathie gegenüber anderen. Arroganz auch.

Was hast du während der Pandemie geschaut?

Ziemlich viel aus dem Performance-Werk von Marina Abramović. Sie sitzt tagelang bekleidet in einem Museum, um zu sehen, was die Menschen mit ihr machen. Einer kommt und berührt sie, ein anderer malt ihr einen Schnurrbart, wieder ein anderer reißt ihr ein Stück Kleidung ab. Es ist unglaublich, wie sie ihren Körper aussetzt. Ich mag es, die Beziehung zwischen Kunst und Menschen zu sehen – nichts Distanziertes, sondern den Moment, in dem die Gefühle auftauchen.

Woran arbeitest du gerade?

An mehreren Kompositionen mit handgeschöpftem Papier, in die ich frühere Drucke und neue Zeichnungen einarbeite. Ich falte es auch gern, gebe ihm Dimension, damit es nichts Flaches ist. Alles ist mir nützlich, ich verwerte es weiter. Die Frage ist, wie man es kombiniert – wie man das Verworfene integriert, denn wenn es gut gemacht ist, kann es unsere Schatten einschließen, die dunklen Teile, die im Gleichgewicht ebenfalls nötig sind, um Projekte zu Ende zu bringen.

María José Antelo — Monotypie mit Faden und Draht María José Antelo — Monotypie mit Faden und Draht María José Antelo — gefaltetes handgeschöpftes Papier María José Antelo — Arbeit auf handgeschöpftem Papier
Draht, Faden und handgeschöpftes Papier – Arbeiten aus dem Atelier von María José Antelo.
María José Antelo in ihrem Atelier

María José im Film


María José Antelo ist Teil von United by Art, dem Programm, mit dem Iskin Sisters zeitgenössische Künstlerinnen einlädt, die Kunstdrucke zu gestalten, die jedes Schmuckstück in seiner Verpackung begleiten.

Mehr über ihre Arbeit: mariajoseantelo.com · @maria.jose.antelo

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